Meine Meinung zu · Generation Alpha
Generation Alpha sitzt schon in der Berufsorientierung. Die Betriebe reden noch über Gen Z.
Generation Alpha umfasst die Jahrgänge 2010 bis 2024. Der älteste Jahrgang wird 2026 sechzehn. Was das für Ausbildung und Berufsorientierung bedeutet.

Leonard Döppeler
9. September 2026

Auf jeder zweiten Personalkonferenz steht in diesem Jahr ein Vortrag über Generation Z im Programm. Das ist ungefähr so aktuell wie eine Warnung vor dem Jahr-2000-Problem. Wer heute über den Nachwuchs von morgen reden will, muss über die Jahrgänge ab 2010 reden.
Ich schreibe diesen Text, weil mir in Gesprächen mit Ausbildungsbetrieben zwei Fehler ständig begegnen. Der erste: Generation Alpha wird behandelt, als wäre sie noch im Kindergarten. Der zweite, und der ist teurer: Sobald jemand merkt, dass die Ältesten schon sechzehn sind, wird sofort eine neue Zielgruppenstrategie ausgerufen, mit TikTok-Kanal und Duzen in der Stellenanzeige. Beides geht an der Sache vorbei.
Generation Alpha sind die Jahrgänge 2010 bis 2024 – und diese Zahl ist wichtiger als das Etikett
Den Begriff hat der australische Sozialforscher Mark McCrindle 2008 geprägt. Seine Einteilung ist die, auf die sich fast alle beziehen: Generation Alpha umfasst die Geburtsjahrgänge 2010 bis 2024, danach beginnt mit dem Jahrgang 2025 die Generation Beta.
Rechnen Sie das für 2026 durch. Der Jahrgang 2010 wird sechzehn. Er sitzt in Klasse 10 oder in der Einführungsphase der Oberstufe, macht das Schulpraktikum, schreibt die ersten Bewerbungen. Der jüngste Jahrgang dieser Generation wird zwei. Zwischen dem ältesten und dem jüngsten Mitglied derselben Generation liegen vierzehn Lebensjahre. Deshalb ist jede Aussage, die mit „Generation Alpha will …“ beginnt, mit Vorsicht zu genießen.
Die Azubi-Jahrgänge 2026 sind noch Generation Z
Ein typischer Ausbildungsvertrag wird mit siebzehn oder achtzehn unterschrieben, viele Bewerber sind neunzehn oder älter. Die Auszubildenden des Jahrgangs 2026 sind also ganz überwiegend zwischen 2005 und 2009 geboren. Die Generation Alpha erreicht den Ausbildungsmarkt in Wellen: Die erste größere Gruppe unterschreibt Ausbildungsverträge ab 2027 und 2028.
Was sich wirklich ändert: Der erste Schritt der Recherche ist keine Suchmaschine mehr
84 %
Noch wichtiger ist, wofür. Unter den Jugendlichen, die KI nutzen, geben 70 Prozent die Informationssuche als Motiv an; im Vorjahr waren es 43 Prozent. Als Rechercheweg liegen Suchmaschinen mit rund 68 Prozent weiter vorn, ChatGPT folgt mit rund 40 Prozent bereits auf Platz zwei, vor YouTube und Wikipedia.
An dieser Stelle ein Hinweis, der mir wichtig ist, weil die Zahl in Vorträgen falsch herumgereicht wird: Es stimmt nicht, dass 70 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig ChatGPT zur Recherche nutzen. Die 70 Prozent beziehen sich auf das Motiv „Informationssuche“ unter denen, die KI überhaupt nutzen. Wer mit Zahlen argumentiert, sollte sie richtig zitieren.
Bei den Jüngeren ist das Bild noch uneinheitlich. Die KIM-Studie 2024 zeigt für 6- bis 13-Jährige, dass KI im Unterricht kaum ankommt: nur 11 Prozent nutzen sie dort regelmäßig, 72 Prozent nie. Der Kinder Medien Monitor 2026 zeigt dagegen, was privat passiert: Von den Kindern, die ChatGPT kennen, nutzen es 45 Prozent in der Freizeit und 36 Prozent für Schularbeiten, aber nur 13 Prozent im Unterricht. Die Lücke zwischen Schule und Kinderzimmer ist der eigentliche Befund – und 57 Prozent der Jugendlichen halten Informationen aus KI-Anwendungen für vertrauenswürdig.
Für einen Ausbildungsbetrieb heißt das: Ein Betrieb, den die Sprachmodelle nicht kennen, kommt in dieser Recherche nicht vor. Nicht auf Platz zehn, sondern gar nicht.
Ihre Eltern sind Millennials – und das verändert die Gespräche
Die Eltern eines Kindes aus dem Jahrgang 2010 sind heute meist zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig. Sie haben ihre eigene Berufswahl mit Google gemacht, sie vergleichen Bewertungen, bevor sie eine Waschmaschine kaufen, und sie recherchieren mit, wenn es um die Zukunft ihres Kindes geht.
Das ist meine Einschätzung aus Gesprächen, und sie deckt sich mit dem, was Ausbildungsbetriebe berichten: Es melden sich Eltern. Sie fragen nach Übernahmequoten, nach Schichtplänen, nach der Prüfungsvorbereitung. Manche Betriebe empfinden das als Zumutung. Ich halte es für ein Geschenk. Wer sagt „Ihr Kind soll sich selbst melden“, hat die Bewerbung in vielen Fällen schon verloren.
2026 fehlt in Nordrhein-Westfalen ein halber Abiturjahrgang. 2027 kommt er zurück
Durch die Rückkehr von G8 zu G9 finden 2026 an den meisten Gymnasien einmalig keine Abiturprüfungen statt. In Zahlen des Schulministeriums: 2025 haben sich rund 78.000 junge Menschen auf das Abitur vorbereitet, 2026 sind es rund 30.000, für 2027 werden wieder rund 70.500 erwartet. Die Bundesagentur für Arbeit hat Betriebe schon im März 2025 gewarnt, dass 2026 rund zehn Prozent der Ausbildungsbewerber fehlen werden.
Passiert ist bei vielen: nichts. Und 2027 dreht sich der Effekt um. Dann trifft ein doppelt so großer Jahrgang auf einen Markt, in dem viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze nach dem schwachen Jahr 2026 reduziert haben. Genau dieser Fehler wurde nach der Finanzkrise schon einmal gemacht.
Was ich anders sehe
- Die Zahl mit den Berufen, die es noch nicht gibt, ist Unsinn. „65 Prozent der Kinder werden in Berufen arbeiten, die es heute noch nicht gibt“ hat keine Primärquelle; die Wissenschaftlerin, der sie zugeschrieben wird, hat sie zurückgezogen.
- Generationen sind keine Persönlichkeitstypen. Was wir „typisch Gen Alpha“ nennen, ist meistens eine Kombination aus Lebensphase und verfügbarer Technik.
- Der Engpass liegt nicht bei den Jugendlichen, sondern bei den Erwachsenen. Die Kinder kommen mit KI zurecht, die Schulen kommen nicht hinterher, und die Betriebe sind in den Systemen, die diese Kinder nutzen, oft nicht auffindbar.
Was jetzt zu tun ist
- Prüfen, was ChatGPT, Gemini und Perplexity über den eigenen Betrieb sagen. Fällt der Name nicht oder kommen falsche Angaben, gibt es ein Sichtbarkeitsproblem, das keine Stellenanzeige löst.
- Die Fakten auf die eigene Seite schreiben, die eine KI zitieren kann: Ausbildungsberufe, Vergütung, Standorte, Übernahmequote, Ansprechpartner mit Namen.
- 2027 jetzt planen. Kapazität, die 2026 abgebaut wird, fehlt 2027 doppelt.
- Eine Seite für Eltern einrichten – keine Hochglanzbroschüre, sondern die zehn Fragen, die Eltern wirklich stellen.
- In die Schulen gehen, nicht nur auf Messen. Der Jahrgang 2010 sitzt jetzt in Klasse 10.
- Aufhören, Generationen-Etiketten zu kaufen, und anfangen, die eigenen Bewerberdaten anzusehen.
Häufige Fragen
- Was ist die Generation Alpha?
- Als Generation Alpha bezeichnet man die Geburtsjahrgänge 2010 bis 2024. Der Begriff geht auf den australischen Sozialforscher Mark McCrindle zurück, der ihn 2008 eingeführt hat.
- Wie alt ist die Generation Alpha 2026?
- Der älteste Jahrgang wird 2026 sechzehn Jahre alt, der jüngste zwei. Die Ältesten stehen also am Anfang der Berufsorientierung.
- Was kommt nach der Generation Alpha?
- Die Generation Beta, also die Geburtsjahrgänge ab 2025.
- Sind die Auszubildenden 2026 Generation Z oder Generation Alpha?
- Fast alle gehören noch zur Generation Z. Die ersten größeren Gruppen der Generation Alpha unterschreiben Ausbildungsverträge ab 2027 und 2028.
- Was bedeutet die Generation Alpha für Ausbildungsbetriebe?
- Vor allem zwei Dinge: Die Recherche beginnt zunehmend in KI-Anwendungen statt in Suchmaschinen, und die Eltern dieser Jahrgänge sind stark eingebunden. Betriebe brauchen deshalb belastbare, zitierfähige Informationen im Netz und ein Angebot, das auch Eltern anspricht.
Quellen
- McCrindle Research: Generation Alpha Defined. Geburtsjahrgänge 2010 bis 2024, Generation Beta ab 2025.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: JIM-Studie 2025, n = 1.200 Jugendliche von 12 bis 19 Jahren, veröffentlicht am 14. November 2025.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM-Studie 2024, n = 1.225 Kinder von 6 bis 13 Jahren, veröffentlicht im Mai 2025.
- Kinder Medien Monitor 2026, herausgegeben von Egmont Ehapa Media, RTL Deutschland und PANINI, n = 2.006, veröffentlicht am 17. September 2026.
- Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Pressemitteilungen zum Abitur 2025 und 2026.
- Bundesagentur für Arbeit, Agenturen Aachen-Düren: Fehlender Abiturjahrgang 2026, Pressemitteilung vom 10. März 2025.
